Begriffserklärung, Geschichte und Verbreitung der Terrakotta

Pflanzkübel aus Terrakotta

Terrakotta stammt vom lateinischen "terra cotta" und bedeutet wörtlich "gebrannte Erde". Daraus abgeleitet wurde nicht nur der feststehende Begriff für eine bestimmte Art von Keramik, sondern auch die Bezeichnung für deren warmen rötlich-braunen Farbton. Für die Farbgebung von Terrakotta sorgen eisenhaltige, rote Tonsorten, deren mineralische Zusammensetzung variieren kann. So findet sich Tonerde mit besonders hohem Anteil an Aluminium-, Eisen und Kupferoxiden rund um den Ort Impruneta etwa 17 Kilometer südlich von Florenz. Dieser mineralienreiche Ton verleiht den daraus gefertigten Gefäßen und Plastiken eine hohe Frostfestigkeit. Da solche Tonerden selten und teuer sind, werden auch Mischungen von Siena- und Impruneta-Tonen als Impruneta-Terrakotta angeboten.

Die Abgrenzung "Terrakotta" für Gerätschaften und Reliefs aus Ton im Gegensatz zur Tonplastik ist in der Literatur nicht eindeutig. Es gibt keine Unterschiede in der Herstellung, sondern nur regionale Sprachvorlieben. So ist der Begriff "Tonplastik" eher für das japanische und chinesische Kunsthandwerk charakteristisch, während im Mittelmeerraum, in Afrika und Indien "Terrakotta" verwendet wird. Zudem werden Gefäße aus Ton auch generell als "Keramik" bezeichnet. Doch egal ob Gebrauchskeramik wie Krüge und Schüsseln, dekorative Keramik (Figuren, Ornamente) oder Reliefs und Bauplastiken (Architekturkeramik) - Gegenstände aus Terrakotta bleiben stets unglasiert. Gebrannt wird der rötliche oder gelbe Ton bei relativ niedrigen Temperaturen von 900°C bis maximal 1000°C.

Im Gegensatz zu anderen Keramikarten erfordert Terrakotta nur einen einzigen Brand. Diese Technik ist relativ einfach zu beherrschen und uralt. Daher zählt Töpfern zu den ältesten Handwerkskünsten überhaupt. Prähistorische Funde gehen zurück bis in die Jungsteinzeit um 6000 vor Christus. Bekannt ist die sogenannte Bandkeramik, die namensgebend für die frühen ackerbautreibenden Kulturen in Europa wurde. Deren Verbreitung reichte von den Karpaten über Polen, Böhmen und Deutschland bis nach Frankreich. Noch weit älter als diese Gefäßkeramik sind figürliche Darstellungen. Die frühesten Funde stammen aus dem heutigen Tschechien. So wurde die berühmte Venus von Dolní Vestonice auf 25.000 bis 29.000 Jahre datiert. In Anatolien sind weibliche Idole aus dem 6. und 7. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung belegt.

In der Antike erlebte Terrakotta die erste große Blütezeit während der minoischen Kultur auf Kreta um 2000 vor Christus sowie später in Griechenland und Italien. Die Kleinplastiken aus jener Zeit bestechen durch die naturgetreue Darstellung von Mensch und Tier. Die Etrusker schufen Terrakotta-Sarkophage mit großen Liebesfiguren und schmückten Tempel mit Friesen, Reliefs und Verkleidungsplatten aus Terrakotta. Ab dem 5. Jahrhundert vor Christus entstanden überall im Mittelmeerraum Werkstätten, in denen Statuetten und große Figuren mit Hilfe von Hohlformen serienmäßig gefertigt wurden. Auch Griechen und Römer nutzten Terrakotta in Form von Ziegeln und Reliefplatten zum Bau ihrer Tempel und Villen sowie für Grabbeigaben und Weihegeschenke. 300 Jahre später setzte sich dann im römischen Reich die sogenannte "terra sigillata" durch, die im Gegensatz zur "terra cotta" mit einem dichtgesinterten Illit-Überzug bei Temperaturen zwischen 950°C und 1050°C oxidierend gebrannt wurde. Diese spezielle Glasurtechnik war weder neu, noch eine Erfindung der Römer. So verwendeten die Babylonier bereits um 1600 vor Christus glasierte Tonziegel.

Das wohl imposanteste Kunstwerk, das jemals aus Terrakotta geschaffen wurde, entstand 210 Jahre vor unserer Zeitrechnung im Reich der Mitte. Aus dem unscheinbaren Material ließ der erste chinesische Kaiser eine ganze Armee von Soldaten anfertigen samt tönernen Pferden sowie Streitwagen und Waffen aus Bronze. Über 7000 lebensgroße Figuren wurden bisher aus den drei Grabkammern des gigantischen Mausoleums geborgen.

Terrakotta Armee

Die Ausgrabungen dauern bis heute an, und die Terrakotta-Armee tourt um die Welt. In unzähligen Ausstellungen haben die tönernen Krieger Millionen von Besuchern verzaubert. Doch natürlich schickt man Abgüsse auf Reisen, die Originale wären viel zu wertvoll und zerbrechlich. Auf dem afrikanischen Kontinent wurde Terrakotta ab dem 5. vorchristlichen Jahrhundert nachgewiesen. Zwischen 200 und 700 nach Christus entstanden Terrakottaplastiken im Nigerdelta und am Tschadsee. Heute sind vor allem die Figuren aus dem Kameruner Grasland beliebte Objekte in Völkerkundemuseen.

In Indien erreichte die Verbreitung von Terrakotta ihren Höhepunkt während der Gupta-Dynastie (um 320 n. Chr.) als dekorativer Schmuck an bengalischen Tempeln. Mit der Rückbesinnung auf die klassische Antike erlebte Terrakotta im Florenz des 15. Jahrhunderts eine Renaissance unter den Bildhauern Donatello und Luca della Robbia. In Deutschland erfolgte diese späte Blüte erst im Klassizismus. Der preußische Baumeister Friedrich Schinkel war ein großer Anhänger der Backsteinarchitektur. Berühmtes Beispiel ist die Berliner Bauakademie, die Schinkel mit einem Terrakotta-Relief schmückte. Um 1850 ließ König Friedrich Wilhelm IV ein mit Terrakotta-Platten verkleidetes Triumphtor für Schloss Sanssouci bauen. Zudem erwarb er eine Reihe von Terrakotten für den Potsdamer Schlosspark. Etwa zeitgleich wurde der alte Baustoff auch in Süddeutschland wiederentdeckt. Ein besonders gelungenes Beispiel ist die Terrakotta-Wand der Stuttgarter Wilhelma.

Herstellung, Materialeigenschaften und Verwendung von Terrakotta

Wie eingangs betont, wird Terrakotta zwar manchmal bemalt, jedoch nie glasiert. Bei den auch als Terrakotta bezeichneten, weiß oder farbig glasierten Keramiken der italienischen Renaissance handelte es sich somit strenggenommen nicht um Terrakotta, sondern um Fayenceplastiken. Dennoch gilt Italien bis heute als das Mutterland der Terrakotta. Am bekanntesten sind jene Manufakturen, die hochwertige Siena- oder Impruneta-Tone verarbeiten. Zunächst muss die Tonerde aufbereitet werden. Nach dem Trocknen und Vermahlen wird das Tonmehl mit Wasser angerührt und der beim "Sumpfen" entstehende Brei gründlich geknetet. Heute verrichten Maschinen diese kräftezehrende Arbeit, die über Jahrtausende von Hand erledigt wurde. Doch eines gilt noch immer: je gründlicher die Tonmasse durchgewalkt wird, desto elastischer ist der Ton. Dessen Konsistenz und Homogenität bestimmt entscheidend die Qualität und Langlebigkeit der daraus entstehenden Terrakotta-Keramik.

Für die Formgebung kommen Negativformen aus Gips zum Einsatz. Nach spätestens zwei Tagen kann dieses "Korsett" entfernt werden. Dann erfolgt die Feinarbeit, bei der Kanten und Ornamente von Hand nachgearbeitet und die Oberflächen geglättet werden. Vor dem Brennen müssen die Terrakotten etwa zwei Wochen trocknen. Was früher die Sonne erledigte, geschieht heute in exakt auf 25°C temperierten Trockenkammern. Anschließend geht es bei Temperaturen knapp unter 1000°C für rund 48 Stunden in den Brennofen. Da der spätere Farbton durch den Mineraliengehalt der Tonerde bestimmt wird, müssen die Scherben nach dem Brand nicht unbedingt die ursprüngliche Farbe des verwendeten Tons haben. Der Begriff "Scherben" steht dabei nicht nur für die Bruchstücke eines Gefäßes, sondern auch für die gebrannten Tonmassen an sich.

Die Abgrenzung von Grob- und Feinkeramik ist bei Terrakotta nicht eindeutig. Gebrauchskeramik wie Blumentöpfe und andere unglasierte Gefäße werden unter dem Überbegriff "Irdengut" als feinkeramische Tonware geführt. Die sogenannte Bauterrakotta zählt mit anderen farbigen Scherben wie Ziegel, Schamotte und Tonrohren zur Grobkeramik. Als Unterscheidungsmerkmal dient die Homogenität der gebrannten Massen. Bei feinkeramischen Erzeugnissen sind die einzelnen Gefügebestandteile kleiner als 0,2 Millimeter. Ein weiteres Kriterium zur Klassifizierung ist Porosität der Keramik. Generell wird die Offenporigkeit von Tonwaren gekennzeichnet durch ihre Fähigkeit zur Wasseraufnahme nach dem Brand. Ihre poröse Struktur ist ein eindeutiges Kennzeichen für Terrakotta. Der Scherben nimmt Wasser bis zu einem bestimmten Anteil seiner Eigenmasse auf. Liegt dieser zwischen 2 und 6 %, so spricht man von Feinkeramik. Bei mehr als 6 % handelt es sich um grobkeramische Terrakotta. Der Prozentsatz bezieht sich also auf die Fähigkeit der Keramik Wasser zu speichern. Natürlich diffundiert ein Teil der Flüssigkeit wieder aus den Poren. Daraus wird klar, dass Terrakotta nie wirklich dicht sein kann.

Diese Offenporigkeit macht Terrakotta-Gefäße eigentlich unbrauchbar für die Aufbewahrung von Flüssigkeiten. Es sei denn man wünscht den kühlenden Effekt, der durch die Verdunstung entsteht. Dann aber sollte man solche Vasen und Krüge nur mit Untersetzern verwenden. Was hier nachteilig scheint, macht Terrakotta zum idealen Material für Pflanzgefäße aller Art. Die Verdunstungskühle schützt die Pflanzen in heißen Sommern vorm Austrocknen. Durch die bessere Belüftung ist Schimmelbildung in unglasierten Tontöpfen oder Blumenkästen aus Terrakotta weit seltener als in Kunststoffgefäßen. Diese mögen zwar leichter sein und einfacher zu reinigen, altern aber auch nicht so schön wie Terrakotta. Denn eine gewisse Patina ist auf Tongefäßen durchaus erwünscht, um den in Haus und Garten so beliebten Toskana-Effekt zu schaffen.

Außer für Gefäße und Figuren kommt Terrakotta in Form von Fliesen und Waschbecken als Sanitärkeramik zum Einsatz. Auch im technischen Bereich gibt es einige Anwendungsmöglichkeiten zum Beispiel als Zellen für galvanische Elemente, die chemische in elektrische Energie umwandeln. Von größerer Bedeutung ist die Bau-Terrakotta, bei denen großflächige Keramikteile zur Verkleidung von Fassaden und Toren dienen. Das wohl berühmteste Gebäude mit einer Terrakotta-Fassade befindet sich in New York. Seit 1902 zählt das 87 Meter hohe Flatiron Building zu den Wahrzeichen Manhattans. Es zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass Terrakotta als Baustoff gleichermaßen schön, stabil und langlebig sein kann. Doch auch Terrakotta hat ihre Nachteile. Sie ist schwer, spröde und zerbricht leicht. Trotz der guten Witterungsbeständigkeit sind Terrakottagefäße nicht frostfest. Das im Scherben gespeicherte Wasser friert und verursacht Risse oder bringt das Gefäß zum Bersten. Deshalb sollte man Blumenkübel, Pflanzkübel, Pflanzkästen und Pflanztröge aus Terrakotta nicht im Freien überwintern. Wenn sie ganz stilecht mit Mittelmeerpflanzen wie Oleander, Bougainville oder Zitrusfrüchten bepflanzt wurden, müssen sie ab den ersten Minusgraden ja sowieso ins Winterquartier umziehen.

Wer frostfeste Tonwaren haben möchte, dem sei die hochwertige Impruneta-Terrakotta empfohlen, die traditionellerweise von Hand gefertigt wird. Neben Pflanzkübeln, Pflanzgefäßen, Blumensäulen, Vasen, Amphoren werden in den toskanischen Familienbetrieben auch Statuen und Figuren hergestellt. Gebrannt wird der mineralienreich Ton bei einer Temperatur von 980°C über 36 bis 52 Stunden hinweg, was dem Scherben große Härte und geringe Porosität verleiht. Deshalb nimmt echte Impruneta-Terrakotta nur wenig Wasser auf und hält frostige Temperaturen bis minus 30°C aus. Da preiswerte Mischungen diese Eigenschaften nicht haben, lohnt es sich auf die Prägung "Terracotta d'Impruneta" zu achten. Die höheren Anschaffungskosten werden durch enorme Witterungsbeständigkeit und Langlebigkeit belohnt. Selbst wenn diese Terrakotta jahrelang im Freien Wind und Wetter ausgesetzt ist, kommt es weder zu Kalkausblühungen noch zu Salzablagerungen. Wenn sie einem nicht aus Unachtsamkeit zerbrechen, sind Pflanzgefäße mit dem Impruneta-Siegel eine Anschaffung, an der man ein Leben lang Freude hat.

Möchte man weniger Geld investieren, lässt sich auch herkömmliche Terrakotta wetterfest und frostresistent machen. Dazu bedarf es einer speziellen Imprägnierung, die Gefäße und Plastiken wasserabstoßend macht. Im Fachhandel gibt es Emulsionen auf Siloxan-Basis zur Hydrophobierung der Tonwaren. Auf diese Weise behandelte Pflanzgefäße sind sogar für Hydrokulturen geeignet. Doch für welche Art von Terrakotta man sich auch entscheidet, vor dem Befüllen mit Erde ist eine Schicht zum Beispiel aus Blähton empfehlenswert. Da sich bei Terrakotta nachträglich keine Abzugslöcher in Pflanztröge oder Blumenkästen bohren lassen, dient diese Drainage der besseren Belüftung und verhindert Staunässe. Gewöhnliche Tontöpfe haben in der Regel ein Abzugsloch, das man mit einer Tonscherbe bedeckt, um Verstopfen durch Erde zu vermeiden. Gegossen werden muss an heißen Sommertagen etwas häufiger als bei Pflanzgefäßen aus Kunststoff oder Fiberglas. Denn bei Terrakotta verdunstet das Wasser schneller, da es durch die Poren diffundiert. Dieser angebliche Nachteil ist keiner, sorgt er doch für eine gewisse Kühlung der Pflanzen.

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